Die DFDC ist zurück im Schauspiel Frankfurt mit einem Doppelabend:

Thomas Bradley verbindet für sein neues Werk sein choreografisches System mit seinem unverwechselbaren Stil als Kostümbildner und arbeitet mit skulpturalen, den Körper verändernden Kostümen.

Ioannis Mandafounis widmet sich der Spannung zwischen dem Wunsch nach Transformation und der Trägheit der physischen Realität. Beide Choreografen manipulieren den Raum, um Bewegung entstehen zu lassen. Zugleich bewegen sie sich an der Grenze zwischen Geräusch und Musik.

Several rhythms sort thoughtfully

CREDITS

CHOREOGRAFIE Thomas Bradley

TANZKÜNSTLER*INNEN Nastia Ivanova, Marina Kladi, Solène Schnüriger, Ichiro Sugae, Samuel Young-Wright

SOUND DESIGN Zachary Mentzos

KOSTÜME Thomas Bradley

DRAMATURGIE Philipp Scholtysik

OUTSIDE EYE Louella May Hogan


Hin und weg

Jede Bewegung führt zu etwas hin oder von etwas weg. Oder manchmal, oft, beides. Dieses einfachste Bewegungsprinzip liegt der Arbeit „Several Rhythms Sort Thoughtfully“ zugrunde. Zwischen diesen beiden Polen - auf etwas zu, von etwas weg - findet sich eine Unzahl an Freiheitsgraden und Möglichkeiten. Bradley arbeitet mit der Gruppe der fünf Tänzer*innen anhand von, wie er es nennt, „social systems“. Diese sind gekennzeichnet von Rahmenbedingungen, Regeln, Zielen und Strategien. Man kann sich auf eine andere Person zubewegen, oder von ihr weg, man hält in der Bewegung inne, wenn die andere Person sich bewegt. Man versucht so eine bestimmte geometrische Konstellation der Körper zu erreichen, die man sich zuvor als Ziel gesetzt hat.

Die Funktion dieser reduzierten Regeln ist paradox. Zunächst entsteht eine starke Einschränkung. Die Möglichkeiten, was jemand tun kann, was sich ereignen kann, scheinen sehr übersichtlich. Aus der Reduzierung entsteht dann allerdings ein Spiel, das quasi aus sich selbst heraus dahin tendiert, die Regeln zu überschreiten, sie im Tun zu verändern, anders zu interpretieren, auf andere Weise als vorgesehen trotzdem zu erfüllen – vielleicht auf eine Weise, die die Kolleg*innen in einem Durchgang so zum ersten Mal sehen und vor die unmittelbare Aufgabe gestellt werden, entsprechend zu reagieren, die Abweichung aufzufangen oder aufzugreifen, sie möglicherweise als Erweiterung oder Präzisierung einer Regel in das aufzunehmen, was alle gemeinsam tun.

Die Regeln wirken so als eine Art Begehrensmaschine, die permanent danach sucht, wie es anders ginge. Man kann die Tänzer*innen in jeder Aufführung neu beobachten, wie sie relativ zu begrenzten Möglichkeiten Entscheidungen treffen. Mit all ihren körperlichen Fähigkeiten, mit ihrem Gespür für Rhythmus, Komposition und Musikalität, mit ihrer trainierten Sensibilität, in jedem Moment zu erkennen, welches Geschehen sich gerade wie jenseits des Willens der Einzelnen entfaltet, sieht man, mit welcher Virtuosität und Kreativität sie aus dem zunächst simplen, regelgeleiteten Spiel etwas erschaffen, das jedes Mal neu und unvorhersehbar aus der Praxis entfaltet.

THOMAS BRADLEY

Thomas Bradley wurde in Cootamundra, Australien geboren und studierte an der New Zealand School of Dance. Ab 2012 tanzte er für die Sydney Dance Company, ab 2015 für das Australian Dance Theatre. 2017 bis 2023 arbeitete er als Tänzer, Pädagoge und Kostümbildner für Emanuel Gat Dance. Seit 2023 arbeitet er als Tänzer und immer wieder auch Kostümbildner für die Dresden Frankfurt Dance Company.

Seine Solo-Arbeiten wurden europaweit gezeigt: unter anderen Butohpolis (International Butoh Art Festival, Warschau, Polen), Teatr Rozbark (Bytom, Polen), Fuori Programma (Rom, Italien), International Dance Week Budapest, Le Louvre (Paris, Frankreich), Rez Gauche (Brüssel, Belgien), Thessaloniki Queer Arts Festival (Thessaloniki, Griechenland), Garage 19 (Korfu, Griechenland), SOLO International Contemporary Dance Festival (Ankara, Türkei) und O.Z.O.R.A. Festival (Ungarn). Als Kostümbildner arbeitete er unter anderem für das Staatsballett Berlin, das Scottish Dance Theatre, TANZ LINZ (Österreich) und die Oper Graz (Österreich). Er ist Mitbegründer des Performancekollektivs LANDBREAKERS und Leiter des choreografischen Ensembles PLAYWORK-GROUP.

THIS BEAUTIFUL MESSY THING

CREDITS

CHOREOGRAFIE Ioannis Mandafounis

TANZ Sophie Borney, Lander Casier, Emanuele Co', Audrey Desmurs, Yan Leiva, Liam Meier, Antonin Mélon, Emanuele Piras, Simon Voitoux Puigrenier, Jin Young Won

KOMPOSITION, SCHLAGZEUG Philipp Danzeisen

CHOREOGRAFISCHE ASSISTENZ Pauline Huguet

KOSTÜME Dorothee Merg, Lander Casier

BÜHNE Ioannis Mandafounis

VORPROBEN UND RECHERCHE Nastia Ivanova, Dietrich Krüger

DRAMATURGIE Philipp Scholtysik



Die meisten Menschen, die in den darstellenden Künsten arbeiten, beneiden kleine Kinder für deren mühelose Präsenz. Bewegungen und Handeln erscheinen in einer fraglosen Notwendigkeit. Spielende Kinder fesseln die Aufmerksamkeit in einer besonderen Weise. Ioannis Mandafounis strebt mit seiner Improvisationsmethode, die er Live-Choreografie nennt, gewissermaßen nach diesem Ideal. Sich bewegen, wie Kinder. Nicht durch darstellen oder gar imitieren, sondern indem die Bewegungen einer Logik folgen, die in jedem Moment ebenso zwingend erscheint. In „This Beautiful Messy Thing” wird dieser Bezugspunkt fast so etwas wie ein Leitmotiv.

Im Spiel von Kindern entsteht Notwendigkeit nicht durch Kohärenz. Stattdessen wirkt das Spiel sprunghaft, unlogisch, unverständlich, vielleicht albern oder übertrieben. Notwendig wird es durch die Fähigkeit, sich im Moment zu verlieren. Im Moment sein – eine allgegenwärtige Formulierung, die nichts mehr zu bedeuten scheint. Aber wenn man sieht, wie sich Kinder spielend im Moment verlieren, kann man wiederentdecken, wie tiefgreifend das ist, was damit gemeint ist. In der Tat ist es alles andere als einfach, es erfordert eine lange, geduldige Praxis und den Verzicht auf sehr viel Kontrolle.

„This Beautiful Messy Thing“ geht diesem Zustand nach, in dem Freude, und Frustration, Innigkeit und Konflikt so nah beieinanderliegen, dass eins jederzeit, in jedem Moment, ins andere umschlagen kann. Kindheitsträume tauchen auch noch in anderen Weisen in der Arbeit auf, nicht zuletzt im Setting der Bühne: mit einem großen beweglichen Objekt, einem imposanten Schlagzeug und vielen anderen krachmachenden Dingen, sieht man fast eine kindliche Fantasie, als hätte ein Choreograph sich erfüllt, was er sich als Kind im Sandkasten erträumt hat. Und wie die echte Kindheit ist natürlich nicht alles nur Sonnenschein.

IOANNIS MANDAFOUNIS

Ioannis Mandafounis wurde in Athen geboren und studierte Tanz am Pariser Konservatorium. Er war Tänzer beim Ballett der GöteborgsOperan, beim Nederlands Dans Theater II und bei The Forsythe Company. Bereits 2004 begann er seine Tätigkeit als Choreograf. Ab 2009 war er Mitglied des erfolgreichen Frankfurter Kollektivs mamaza. Zur gleichen Zeit leitete er seine eigene Company in der Schweiz und tourte weltweit.

Er entwickelte Auftragswerke für eine Vielzahl internationaler Kompanien, darunter das Ballet de l'Opéra de Lyon, das Grand Théâtre de Genève, Corpus des Royal Danish Ballets, das Greek National Opera Ballet, das Nationaltheater in Athen, das Theater Junge Generation Dresden, Norrdans, das Gärtnerplatztheater in München und das Regionteater Väst. Darüber hinaus wurden seine Choreografien weltweit in renommierten Theatern gezeigt.

Begleitprogramm

Premierenparty

04.06.2026

Im Anschluss an die Vorstellung laden wir herzlich zur Premierenparty ein.


Einführung

05.06.2026

Vor der Aufführung gibt es um 19:00 Uhr eine Einführung von Dramaturg Philipp Scholtysik im Chagallsaal exklusiv für Mitglieder des Patronatsvereins.


Nachgespräch

05.06.2026

Erfahren Sie mehr über die Hintergründe der Produktion und die beteiligten Künstler*innen.


Podcast

06.06.2026

Wenn Sie sich etwas Zeit nehmen, kommen Sie in unserem Podcast „Wie war's?" selbst zu Wort! Nach der Aufführung können Sie Philipp Scholtysik, dem Dramaturg der Company, erzählen, was Sie mit der Aufführung erlebt haben. Das Gespräch wir aufgezeichnet und erscheint wenig später - überall wo es Podcasts gibt.

Dresden Frankfurt Dance Company

Wir sind ein zeitgenössisches Tanzensemble unter der künstlerischen Leitung von Ioannis Mandafounis. Wir entwickeln, präsentieren und vermitteln Tanz mit dem Wunsch, Menschen zusammenzubringen, zu inspirieren und für Tanz zu begeistern. Ob durch energiegeladene, inspirierende Aufführungen oder intime, ruhige Momente – Tanz hat die Kraft, die unterschiedlichsten Menschen zu verbinden.

Wir vereinen zeitgenössisches Denken und Tanztradition, indem wir experimentieren und traditionelle Vorstellungen von Choreografie überdenken und weiterentwickeln. Eine zentrale Grundlage der Arbeit des Ensembles ist die von Ioannis Mandafounis entwickelte Methodik. Diese ermöglicht es den Tänzer*innen, aus ihren Körpern, Bewegungen und Aktionen in jeder Aufführung und jedem Moment neu live auf der Bühne eine Choreografie zu kreieren.

Tänzer*innen der DFDC

Sophie Borney

Thomas Bradley

Lander Casier

Emanuele Co’

Audrey Desmurs

Nastia Ivanova

Marina Kladi

Yan Leiva

Liam Meier (Gast)

Antonin Mélon

Emanuele Piras

Solène Schnüriger

Ichiro Sugae

Simon Voitoux Puigrenier

Ashley Alexandra Wright

Samuel Young-Wright

Team

Martina Becker

ASSISTENTIN DER KAUFMÄNNISCHEN DIREKTORIN

Pauline Belger

EDUCATION

Adrián Castelló

KÜNSTLERISCHES BETRIEBSBÜRO

Lilli Christoph-Homberg

LEITUNG KOMMUNIKATION

Annika Glose

KAUFMÄNNISCHE DIREKTORIN

Jochen Göpfert

LICHT

Daniel Groß

BÜHNE

Pauline Huguet

PROBENLEITUNG

Ronja Koch

MARKETING & ONLINEKOMMUNIKATION

Dietrich Krüger

TECHNISCHER DIREKTOR

Ioannis Mandafounis

KÜNSTLERISCHER DIREKTOR / CHOREOGRAF

Dorothee Merg

KOSTÜM

Rike Meyer

AUSZUBILDENDE MARKETINGKOMMUNIKATION

Julian Mommert

GASTSPIELE & KOPRODUKTIONEN

Pauline Puhze

WERKSTUDENTIN SOCIAL MEDIA

Johanna Roggan

KOOPERATIONEN & NETZWERK

Edgar Röthig

TON

Philipp Scholtysik

DRAMATURGIE


Partner & Förderer

Mit freundlicher Unterstützung

In Zusammenarbeit mit

Impressum

Fotos

Kampagnenmotive: Dominik Mentzos

Probenfotos: De-Da Productions

Texte

Philipp Scholtysik

Redaktion

Lilli Christoph-Homberg

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